Wenn Freunde zu Rivalen werden

Meisterschaft, 2. Liga interregional

Fussballer, Weggefährten, Freunde. Während fünf Jahren standen Miguel Ferreira und Ensar Biqkaj bei drei verschiedenen Teams in 54 Spielen Seite an Seite. Wenn im Topspiel Muri und Freienbach aufeinandertreffen, werden die beiden zum ersten Mal zu Gegnern.

Übermorgen Sonntag, wenn um 14.30 Uhr auf der Brühl das Spiel zwischen dem FC Freienbach und dem FC Muri angepfiffen wird, kommt es zu einem Novum. Dass Miguel Ferreira und Ensar Biqkaj gleichzeitig auf dem Fussballplatz stehen, ist für die zwei quasi Normalzustand. Dass sie dabei verschiedene Trikots tragen, ist für das Duo ungewohnt. Miguel Ferreira steht seit dieser Saison im Kader seines Stammvereins FC Muri. Biqkaj ist nach einem einmonatigen Intermezzo bei Kosova Zürich zu Freienbach gewechselt. Die Freunde werden im Topspiel Konkurrenten sein.

«Ich glaube, dass wir vor vielen Jahren gegeneinander gespielt haben», sagt Miguel Ferreira. «Ich war damals im Nachwuchs von GC und Ensar beim Team Aargau.» Biqkaj: «Ich kriege Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass wir Gegner sein werden.»

Eigentlich haben sie sich auseinandergelebt, behaupten sie. Einen besonderen Draht haben sie nach wie vor zueinander. Kein Wunder, nach einer solch langen gemeinsamen Zeit.

Eine schicksalhafte Fügung

Der Lebenslauf des Duos hat lang nicht darauf hingedeutet, dass die beiden so gute Freunde auf dem Fussballplatz werden würden. 1998 kommen beide zur Welt. Der Portugiese Ferreira in seinem Heimatland, der Kosovoalbaner Biqkaj in Aarau. Letzterer hat lange keine Berührungspunkte mit dem Freiamt. Er wächst in Oberkulm auf, spielt beim FC Gontenschwil, dann im Nachwuchs des FC Luzern. Ferreiras Familie zieht 2000 in die Schweiz, genauer gesagt nach Rottenschwil. Der 187 Tage ältere Portugiese erlernt das Fussballhandwerk beim FC Muri, anschliessend bei GC.

Aufeinander treffen die beiden Sportler erst bei den A-Junioren des FC Wohlen. Wie oft sie in der Juniorenabteilung der Freiämter miteinander gekickt haben, wissen sie nicht mehr. Auf das erste Spiel bei den Aktiven angesprochen, kommt es bei Biqkaj wie aus der Pistole geschossen: «1:0-Sieg zu Hause gegen Pajde Möhlin. Ivano Rizzo hat den Siegtreffer erzielt.» Ein Faktencheck zeigt, dass die Aussage stimmt. Das erste Spiel mit dem besten Freund vergisst man eben nicht so schnell.

Die Unzertrennlichen

Das Spiel gegen Pajde datiert vom 10. September 2016. Die letzte gemeinsame Partie bestreiten sie am 9. November 2019, im Trikot des FC Dietikon. Die beiden Athleten spielen bei der U23 des FC Wohlen. Als das Wohler Fanionteam sich 2018 aus der Challenge League zurückzieht, werden Biqkaj und Ferreira in das Fanionteam hochgezogen, für den Neuaufbau in der Promotion League. Die Saison ist schwierig, für den Club und das Duo. Ferreira kommt auf zehn Einsätze, Biqkaj auf acht. Gleichzeitig spielen sie aber nur dreimal.

Der ehemalige FC-Wohlen-Spieler Joao Paiva ist Trainer beim FC Dietikon. Er verpflichtet Biqkaj. Dieser stellt darauf den Kontakt zwischen dem Club und Ferreira her. Die Freunde sind wieder vereint.

Das perfekte Duo

Das Duo ergänzt sich auf dem Feld auch sehr gut. Die zentralen Mittelfeldspieler haben unterschiedliche Qualitäten. Biqkaj ist Linksfuss, Ferreira Rechtsfuss. Ferreiras Masse: 1,74 m Körpergrösse und 66 kg Gewicht. Mit 1,70 m und 70 kg ist Biqkaj kleiner, aber «kompakter». Und obwohl Ferreira mit fünf Toren aktuell der absolute Topskorer bei Muri ist, bezeichnet er Biqkaj als den Torgefährlicheren der beiden. Die Statistik bestätigt es. Obwohl der Portugiese in der gemeinsamen Zeit mehr Spielminuten sammeln konnte, traf er nur sechsmal. Bei Biqkaj waren es 19 Tore. «Ensar ist ausserdem unglaublich dribbelstark. Wenn ihn ein Gegenspieler unterschätzt, bestraft er ihn und lässt ihn stehen», sagt der FC-Muri-Goalgetter. «Miguel ist dafür der aggressivere, organisierende Spieler. Als 10er habe ich es geliebt, vor ihm zu spielen, da ich wusste, dass ich in ihm eine sensationelle Absicherung hinter mir habe», erklärt der Freienbach-Spieler. «Wir ergänzen uns übrigens auch neben dem Platz gut», fügt Biqkaj an. «Ich bin eher derjenige, der Faxen macht, während Migu der Ruhige ist.»

Die Trennung

Seit dieser Saison gehen die Freunde getrennte Wege. Trainer Piu hat Ferreira nach Muri geholt. Er ist wieder regionaler verwurzelt, wohnt in Wohlen, arbeitet in Villmergen. Ganz anders sieht es bei Biqkaj aus, der in Hunzenschwil wohnt, in Altstetten arbeitet und in Freienbach trainiert und spielt. «Leider haben wir uns ein bisschen aus den Augen verloren», sagt der Freienbach-Akteur. «Hinzu kommt, dass ich seit fünf Jahren eine Freundin habe, die auch Zeit beansprucht. Wie sieht es eigentlich bei dir aus?», wirft er Ferreira provokativ an den Kopf, der bestätigt, auch liiert zu sein.

Übermorgen Sonntag kommt es zum Duell der beiden Freunde. Biqkaj: «Beide Teams wollen aufsteigen. Der Abstand in der Tabelle ist eng. Wir wären blöd, Muri zu unterschätzen.» Die Freunde würden sich wünschen, eines Tages wieder gemeinsam zu spielen. «Wo spielt keine Rolle», sagt Biqkaj, worauf Ferreira mit einem Augenzwinkern entgegnet: «Ich wechsle nicht nach Freienbach.»

Der Freiämter – Josip Lasic

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