Muri hat Angst vor dem Samba

Meisterschaft, 2. Liga interregional

Muri – Rotkreuz 0:1 (0:1)

Ein zögerlicher FC Muri verliert gegen die routinierte Samba-Truppe des FC Rotkreuz. Ein Goaliefehler von Yannick Hofer entscheidet den Spitzenkampf vor 540 Zuschauern auf der Brühl.

Er ist und bleibt kein Laufwunder. Aber er ist und bleibt auch einer der besten Techniker im Schweizer Amateurfussball. Vitor Augusto Gregorio Capellini – kurz Guto – kennt man im Freiamt bestens aus seiner Zeit beim FC Wohlen. Jetzt geht der Brasilianer mit der Nummer 10 für Rotkreuz auf Torejagd. Und er beweist in diesem Spiel, wieso er den Unterschied ausmachen kann. Trickreich, ballsicher, überraschend. Seine Samba-Show beinhaltet beispielsweise einen Fallrückzieher oder eine «Bicicletta» (die sichere Beute ist für Muri-Goalie Yannick Hofer). Oder der 31-Jährige vernascht seinen Gegenspieler im Strafraum und «holt» einen Elfmeter raus. Passiert nach einer halben Stunde. Guto wird gefoult (er rutscht dazu auch noch aus), Penalty wird gepfiffen. Doch der Elfmeter landet am Pfosten. Es wäre das 0:2 gewesen.

Hofer: «Wir wollten zu viel»

«Ich habe gehofft, dieser verschossene Penalty ist ein Weckruf für uns. Ich hoffte, es beflügelt uns», sagt Muri-Torhüter Yannick Hofer. Es bleibt bei der Hoffnung. Der FC Muri agiert zu zögerlich, fast schon ängstlich. Kein Tempo nach vorne, keine Durchschlagskraft. Man versucht es in diesem Spitzenkampf oft mit langen Bällen in die Offensive, was bei den «Türmen» in der Rotkreuz-Defensive ein schlechtes Mittel ist. Hofer versucht die Niederlage zu erklären: «Wir wollten zu viel, haben uns zu grossen Druck gemacht. Im Spiel waren wir viel zu kompliziert. Wir hatten zu grossen Respekt vor dem Gegner, teilweise hatten wir sogar Angst.»

Die enorm routinierte Mannschaft von Trainer René Erlachner dominierte den Grossteil der Partie. Abgezockt, ruhig, clever. Allerdings sind die Rotkreuzer alles andere als effizient vor dem Tor. Beste Chancen werden ausgelassen. Auch Goalie Hofer beweist mehrmals seine starken Reflexe und verhindert ein weiteres Gegentor.

Es war für ihn ein wenig Wiedergutmachung. Denn das Führungstor durch Nahuel Allou nach einer Viertelstunde geht auf seine Kappe. «Keine Ausreden. Ich bin zu spät. Wenn ich rauslaufe, dann muss ich den Ball haben», sagt Hofer. Hat er aber nicht. Allou trifft zum 0:1. «Ein Goaliefehler», meint er selbstkritisch.

Hohl: «Gegner war abgeklärt»

Beim FC Muri sind Parallelen zur 0:1-Pleite gegen Mutschellen ersichtlich. Trotz mässiger Leistung bleibt man lange dran. Auch, weil der Gegner die Entscheidung verpasst. Der FC Muri kommt nie in einen Rhythmus – und kaum gefährlich vors Tor. In der Schlussphase gibt es die zwei besten Torchancen: Simone Parente per Kopf oder Miguel Ferreira, der aus sieben Metern frei zum Abschluss kommt und verzieht. «Der Gegner hat es abgeklärt gemacht und uns nicht viele Chancen zugestanden», meint Captain Michael Hohl. «Vor allem in der ersten Halbzeit kamen wir nicht an eine Leistung heran, die es für Punkte gebraucht hätte», meint Hohl weiter. Goalie Hofer sagt: «Wenn man alle Chancen zusammenrechnet, dann sind wir mit diesem 0:1 noch gut bedient.»

Der FC Muri kassiert die zweite Saisonpleite und verpasst damit die Tabellenführung – und rutscht ab auf den 3. Rang, fünf Punkte hinter dem neuen und alten Leader Rotkreuz. Einen Erfolg hätte man dem FC Muri so sehr gegönnt. Der Spitzenkampf bei bestem Fussballwetter zog 540 Zuschauer an. Vielleicht hemmte dies die Klosterdörfler zu sehr. Die routinierten Rotkreuzer spielten ihren «Stiefel» jedenfalls abgezockt runter und fanden gegen die durchschaubare Muri-Truppe immer die richtige Lösung.

«Wichtiges Spiel, wichtiger Sieg»

Zurück zu Samba-Kicker Guto. Er ist einer der besten Kumpels von Muri-Trainer Piu. Vor nicht allzu langer Zeit, war er Leistungsträger beim FC Wohlen in der 1. Liga Promotion und Piu war sein Trainer. «Gegen Piu zu spielen war doch sehr speziell für mich», meint Guto und spricht von einem «erwartet harten Spiel gegen Muri». Auch der Brasilianer betont, dass Rotkreuz näher am 0:2 war als Muri am Ausgleich. «Es war ein wichtiges Spiel und ein wichtiger Sieg.» Das wäre es auch für den FC Muri gewesen im ersten Spitzenkampf seit langer Zeit.


«Erste Halbzeit verpennt»

Reaktionen der beiden Trainer nach dem Spitzenspiel

Selten sieht man FC Muri-Trainer Piu ohne Lachen auf dem Gesicht. Nach der 0:1-Pleite gegen Rotkreuz war der Ausdruck des Freiamt-Brasilianers aber etwas gedämpft. Er sagt: «Der Trainerjob in Muri macht mir sehr viel Spass. Nach diesem Spiel aber ein bisschen weniger.»

«In Bestbesetzung wären wir ebenbürtig»

Piu betont, dass Rotkreuz der verdiente Gewinner ist. «Die Gäste hatten eine sehr abgeklärte Mannschaft mit starken Individualisten. Ich bin aber überzeugt, dass wir in Bestbesetzung mindestens ebenbürtig gewesen wären.» Die erste Halbzeit habe man «verpennt» und nicht das gespielt, was möglich wäre. «Leider haben wir ein paar Ausfälle von Schlüsselspielern zu verkraften, teilweise für mehrere Monate, die wir gegen Rotkreuz nicht kompensieren konnten.»

René Erlachner, Trainer des FC Rotkreuz und früherer FC-Wohlen-Trainer, blickt zufrieden auf die Partie zurück: «Wenn man ein Tor mehr schiesst als der Gegner, ist es immer verdient. Es blieb spannend bis zum Schluss, weil wir den zweiten Treffer nicht machten.» Erlachner spricht von mangelnder Chancenauswertung, «aber das haben wir ja nicht absichtlich gemacht.» Muri habe eine stabile und solide Mannschaft, wie Erlachner erklärt. «Man sieht, dass hier gute Arbeit geleistet wird.»

Die Zielsetzungen für die Saison bleiben bei beiden Teams gleich, auch nach diesem Spiel: «Wir wollen oben mitspielen, das ist unser Anspruch», zeigt sich Piu selbstbewusst. «Die Meisterschaft ist noch lang und bis jetzt sind wir absolut im Soll. Wir haben heute bis zum Schluss gekämpft, an der Einstellung hat es definitiv nicht gelegen», nimmt der Murianer Trainer seine Spieler in Schutz. Noch höher sind die Ambitionen von Rotkreuz: «Das Saisonziel ist und bleibt der Aufstieg. Mit dieser Mannschaft muss es einfach das Ziel sein, jedes Spiel zu gewinnen. Wir haben neben der individuellen Klasse auch einen tollen Teamgeist und eine gute Stimmung bei uns, aber es ist kein Selbstläufer und wir müssen konzentriert weiterarbeiten», so Erlachner. Die Tabelle stützt die Aussagen der beiden Trainer. Rotkreuz führt die Rangliste an und Muri bleibt in der Verfolgergruppe. «Bereits im nächsten Spiel gegen Schöftland werden wir eine Reaktion zeigen und wieder angreifen», so Piu.

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