Ein Spektakelspiel

Fans des Freiämter Fussballs kamen im Derby zwischen Wohlens zweiter Mannschaft und Muri voll auf ihre Kosten. Der Favorit aus dem Klosterdorf setzt sich in einem dramatischen Spiel am Ende durch. Die Gastgeber haben lange an der Überraschung gekratzt.

Die Muri-Bank explodiert in der 85. Minute. Gentrim Uka hat soeben einen Freistoss wunderschön über die Wohlen-Mauer gezirkelt und das 4:3 für sein Team erzielt. «Als ich den Ball gesetzt habe, konnte ich spüren, dass ich ihn versenke», sagt der Siegtorschütze. Sein Tor trifft den FC Wohlen U23 mitten ins Herz. Die Gastgeber werfen in der Schlussphase alles nach vorne, doch der Ausgleich bleibt aus. Bitter für das Team von Trainer Rino Luongo, das nach einem starken Spiel mit leeren Händen dasteht.

Dabei fängt das Derby «standesgemäss» an. Der Favorit aus Muri geht früh in Führung. Captain Simone Parente köpfelt nach einem Eckball in der 7. Minute zum 1:0 ein. Die Gäste zeigen danach, dass sie spielerisch stark sind und lassen den Ball laufen.

Zwingende Torchancen spielen sie sich aber nicht raus. Wohlen hält mit Kampfgeist dagegen, verteidigt gut und kontert. Schnell wird klar, dass auch die zweite Mannschaft des FCW fussballerisch einiges draufhat. Chris Wiederkehr, Gabriel Prenaj und Fabio Milazzo, die in der Winterpause zurückkehrten, sind Topspieler auf 2.-Liga-Niveau. Pren Gjini, Milot Sinani, Djellon Shahini und Kaan Yilmaz zeigen, warum sie zum 1.-Liga-Kader des FCW gehören. Der Plan der Heimmannschaft geht auf. In der 36. Minute erhält Yilmaz nach einem Konter den Ball im Strafraum. Er versenkt zum Ausgleich. Kurz vor der Pause schlägt Yilmaz erneut zu. Wohlen dreht das Spiel und geht mit einer 2:1-Pausenführung in die Kabine. Und nach Wiederanpfiff geht es nicht lange, bis eine sehenswerte Kombination zwischen Wiederkehr und Milazzo zum 3:1 führt. Muri scheint geschlagen zu sein. Doch noch ist fast eine ganze Hälfte zu spielen.

Vier Standards zum Sieg

In der 74. Minute wechselt Muri entscheidend: Spielmacher Miguel Ferreira verletzt sich bei einem Foul und humpelt vom Platz. Burim Hasanramaj kommt ins Spiel. Hat sich Wohlen mit dem Foul ins eigene Verderben gestürzt? «Nein», sagt Muri-Trainer Alain Schultz. «Ich hätte Hasanramaj sowieso eingewechselt.» Und wie er reinkam. Nach seiner Einwechslung kommt er bei einem Eckball der Murianer an den Ball und versenkt ihn zum Anschlusstreffer. Wenige Minuten später folgt der nächste Eckball. Wieder landet das Leder bei Hasanramaj. Ausgleich – und noch rund zehn Minuten zu spielen. Von der Muri-Bank hört man selbstbewusst die Aussagen, dass sie das Spiel noch gewinnen werden. Und sie machen mit Ukas Freistosstor ihre Drohung wahr. Bezeichnend: Alle vier Muri-Tore fallen nach Standards. Wohlen-Trainer Rino Luongo ist frustriert: «Wir haben das die ganze Woche thematisiert. Ich habe gewarnt, wie stark Muri bei Standardsituationen ist.»

Wohlen wieder unter dem Strich

Schultz ist stolz auf sein Team: «Die Mannschaft hat ein Riesenkompliment verdient. Ich sagte ihnen in der Pause, dass wir Charakter zeigen müssen, und sie haben Siegermentalität bewiesen.» Die Murianer haben verglichen mit den jungen Wohlern ein sehr erfahrenes Team mit vielen Spielern, die in höheren Ligen gekickt haben. Hat das am Ende geholfen, das Spiel zu drehen? Siegtorschütze Uka: «Die Erfahrung und unsere Qualität. Ich bin allerdings nur mit unseren ersten 30 Minuten und dem Endspurt zufrieden. Dazwischen war Wohlen bissiger und aggressiver.» Auch Schultz sieht die Erfahrung allein nicht als entscheidenden Faktor. «Wenn du mit 1:3 zurückliegst, ist es schwer, zurückzukommen, egal wie erfahren du bist. Das Momentum ist beim Gegner. Wohlen hat ein hohes Tempo angeschlagen. Andere Teams würden auseinanderfallen. Uns ist das zum Glück nicht passiert.» Der Muri-Trainer sieht eher die Tabellensituation als Zünglein an der Waage an. «Ich wusste, dass es eng wird, wenn wir vor den letzten 20 Minuten treffen. Teams, die hinten in der Tabelle sind, lassen sich schneller verunsichern. Nach dem Ausgleich war ich mir sicher, dass wir noch gewinnen.»

Wohlen-Trainer Rino Luongo ist trotz allem ebenfalls stolz. «Wir haben eine gute Leistung gezeigt. Es war ein Spiel auf Augenhöhe gegen eines der stärksten Teams der Liga. Leider konnten sich die Jungs dafür nicht belohnen.» Durch die Niederlage rutscht sein Team wieder auf einen Abstiegsplatz. Punkte konnte die U23 keine mitnehmen aus dem Spiel. Auf der Leistung können sie aber aufbauen.

Am kommenden Freitag, 20.15 Uhr, gastiert Wohlen U23 bei Küttigen. Eine Woche später kommt es auf den Niedermatten zum Duell der Abstiegskandidaten gegen Oftringen. Mit ähnlichen Auftritten können die Wohler Punkte sammeln. In Muri weiss man, dass das spielerisch nicht der beste Auftritt des Teams in dieser Saison war. Die Willensleistung im Endspurt wird der Mannschaft aber Selbstvertrauen geben. Die Klosterdörfler trennen nur noch zwei Punkte von der Tabellenspitze. Am nächsten Sonntag, 14.30 Uhr, können sie im Heimspiel gegen Abstiegskandidat Neuenhof sogar etwas Schützenhilfe für die jungen Wohler leisten.

Text und Bild Josip Lasic, der Freiämter

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