In der 71. Minute eskaliert die Partie. Ein Muri-Spieler wird nahe des Strafraums gefoult. Während Spieler beider Teams mit dem Schiedsrichter diskutieren, rollt der Ball Richtung Mittelfeld. Muris Jan Burkard will ihn holen, doch Mutschellens Memet Elmazi kickt ihn weg. Burkard schubst Elmazi, der zu Boden geht. Bis dahin wirkt die Szene wie eine typische Derby-Nicklichkeit. Doch der Schiedsrichter verwarnt Burkard und schickt ihn mit Gelb-Rot unter die Dusche. Die Murianer toben.
Der Schiedsrichter ermahnt Trainer Alain Schultz, der sich wegdreht und sich entfernt. Die Proteste von der Bank und Seitenlinie reissen nicht ab. Plötzlich gibt es Rot für Schultz, der in jener Szene eigentlich einer der wenigen Murianer war, die kühlen Kopf bewahrten. Eine unverständliche Rote Karte. Das Spiel wird dann fahrig und hitzig. Fast jeder Zweikampf birgt Rudelbildungspotenzial. Beide Seiten protestieren immer wieder. Das Schiedsrichtertrio hat Mühe, die Kontrolle zu behalten. Jan Burkard bleibt nach dem Spiel trotz Platzverweis sachlich: «Mit dem Schiedsrichter zu diskutieren, bringt nichts, Entscheidungen werden nicht zurückgenommen. Wir waren nicht unschuldig, spielten ungeduldig und ungenau. Das hat uns frustriert.
So hat sich alles hochgeschaukelt.» Als Burkard und Schultz vom Platz müssen, führt Mutschellen bereits 1:0. Nach einem Freistoss köpfelt Jan Seiler zur Mutscheller Führung ein. «Ich habe mich riesig gefreut. In dem Moment habe ich gar nicht gross nachgedacht, sondern nur den Moment genossen», sagt Seiler. Wichtiger als sein Tor sei aber der Auftritt der gesamten Mannschaft gewesen. Wegen des Regens wird die Partie auf den Kunstrasen der Burkertsmatt verlegt. Die Teams haben Mühe im Aufbau, Bälle verspringen, Pässe kommen nicht an. Die erste Halbzeit bleibt torlos. In der Schlussphase gelingt beiden Teams spielerisch etwas mehr. Doch immer wieder stoppen harte Zweikämpfe die Angriffe. Muri trägt den Frust über die Platzverweise mit sich, Mutschellen die Emotionen der vergangenen Woche. «Viel wurde über unser Team gesprochen, es gab Unruhe», sagt Seiler (Siehe «Der Knall hallt nach»). «Umso wichtiger war es, so aufzutreten und die drei Punkte auf dem Mutschellen zu behalten.» In der 80. Minute misslingt Muri nach einem Abstoss die Abstimmung in der Abwehr. Der Ball landet bei Julian Meier, der allein auf Muri-Goalie Shane Clerici zuläuft und zum 2:0 trifft. Dabei bleibt es. «Muri wird von allen als einer der Topfavoriten der Liga gesehen», sagt Seiler. «Dass wir mithalten und gewinnen konnten, macht Mut.»
Muri mit einigen Absenzen
Mitte der Woche waren bei Muri schon sieben Absenzen bekannt. Im Abschlusstraining verletzten sich zusätzlich Tihomir Grabovica und Belmin Mrkonja. Als Ausrede will Schultz die Ausfälle nicht gelten lassen. «Wir haben genug Qualität, um zu gewinnen. Aber heute waren wir nicht gut genug. Den Kampf haben wir angenommen, aber keine spielerischen Lösungen gefunden. Am Ende läuft alles ein wenig aus dem Ruder.»
Zumindest haben die Platzverweise keine längerfristigen Folgen für die Klosterdörfler. Burkard ist nach seiner Gelb-Roten Karte für eine Partie gesperrt. Und auch Schultz wird – obwohl er eine direkte Rote Karte kassiert hat – nur in einer Partie fehlen. Schultz: «Es sind erst drei Spiele absolviert. Wegen dieser Niederlage fallen wir nicht um.»
Text und Bericht: Josip Lasic, der Freiämter




