Vom FC Muri entdeckt

Pavel Karpf ist ein Unikat. Der Sarmenstorfer war beim FC Muri der jüngste 1.-Liga-Goalie der Geschichte und wurde später beim FC Luzern Publikumsliebling. Heute führt er einen Gartenbaubetrieb und segelt um die vielen Inseln der kroatischen Küste. Er ist Teil der Serie «Unsere Regionalfussballhelden».

Feiner Typ mit grossen Pranken

Serie «Unsere Regionalfussballhelden»: Pavel Karpf schaffte es über Sarmenstorf und Muri auf die grosse Fussballbühne

Beim FC Muri wurde er zum jüngsten 1.-Liga-Goalie aller Zeiten. Beim FC Luzern wurde er zum Kult-Goalie. Heute segelt Pavel Karpf gerne an der kroatischen Küste und sorgt im Freiamt für wunderschöne Gärten.

Cupfinal in der Saison 1996/97. Der FC Sion und der FC Luzern duellieren sich vor 28 000 Zuschauern. 3:3 stehts nach Verlängerung. Es geht ins Penaltyschiessen. Ywan Quentin schiesst den entscheidenden Elfmeter ins Netz. Sion gewinnt 5:4. Der FC Luzern und sein Goalie Pavel Karpf sind am Boden zerstört. «Eines meiner speziellsten Spiele», meint der heute 51-jährige Karpf. Und das, obwohl er verloren hat und nicht mal im Tor stand. Beat Mutter spielte, Karpf schmort auf der Bank. «Ich durfte aber Adolf Ogi die Hand schütteln – ein Highlight», lacht Karpf.

Mit 28 Jahren war Schluss

Wenn er lacht, vibriert sein ganzer Körper und der Tisch vor ihm ebenso. Der 1,90 m grosse und 105 kg schwere Mann ist ein Pfundskerl – und irgendwie anders als andere Fussballer. Wenige Monate nach dem Cupfinal, im Dezember 1997, beendet er seine Karriere. Er ist damals 28 Jahre jung. Warum? «Ich hatte das Gefühl, dass ich alles erreicht habe. Mehr lag nicht mehr drin für mich.» Nach fünf Jahren beim FC Luzern in der höchsten Spielklasse ist er zum Publikumsliebling geworden. Er erlebte besondere Spiele, wie der 2:0-Auswärtserfolg bei den Tottenham Hotspurs. «Geniale Zeiten», meint er. Mit Martin Rueda als Libero oder Timo Konietzka als Trainer.

Gleich nach der Karriere macht er eine Lehre. Seine dritte. Nach der Ausbildung zum Zimmermann und Sportartikelverkäufer erlernt er den Beruf des Landschaftsgärtners. 1999 – drei Tage nach seiner bestandenen Lehrabschlussprüfung – macht er sich selbstständig. Heute zählt das Unternehmen «Karpf Garten» 15 Mitarbeiter. «Ich bin ein Typ, der etwas bewegen muss.» Karpf ist einer, der anpackt, es muss immer etwas gehen. So war er schon immer und so wird er auch immer bleiben.

Von Hans Hübscher entdeckt und nach Muri geholt

Seine Karriere startet er beim FC Sarmenstorf. Mit 15 Jahren hat er teilweise drei Einsätze an einem Wochenende. Er spielt bei den A-Junioren, im «Zwoi» in der 5. Liga und sitzt im «Eis» auf der Bank. Dann wird er von FC-Muri-Ikone Hans Hübscher entdeckt und auf die Brühl gelotst. «Ich war total unerfahren», sagt Karpf heute. Als der damalige FC-Muri-Goalie Max Lehner in einem Spiel die Nerven verliert und einem Gegenspieler einen Faustschlag verpasst, kommt Karpf zum Debüt. Mit 15 Jahren ist er der jüngste Goalie der 1.-Liga-Geschichte. In den kommenden drei Spielen holt Muri drei Siege. Und der FC Muri, der eigentlich einen erfahrenen Torhüter verpflichten wollte, setzte auf den Sarmenstorfer. «Glück gehabt, ich hatte eine starke Defensive», meint er dazu. «Ich war nicht so gut, aber unsere Mannschaft», meint er augenzwinkernd. Mit Spielern wie Enrico Bizzotto, Toni Lustenberger, Martin Anderhub oder Marcel Dolder erleben die Murianer Glanzzeiten – und stehen dabei vor dem FC Wohlen in der Hierarchie.

50 000 Fans im «Joggeli»

Die Old Boys Basel werden aufmerksam und holen ihn in die NLB. Mit 19 Jahren wird Karpf Profifussballer. Im Cup-Derby gegen den FC Basel spielt er vor 50 000 Zuschauern im alten «Joggeli». «Unglaublich», wenn er zurückdenkt. 0:1 verlieren die Old Boys. Und dieser Gegentreffer – wo er nicht ganz unschuldig war – wurmt ihn heute noch. Trotzdem: Er erlebt auch bei den Old Boys grandiose Zeiten und steht oft im Fokus. «Glück gehabt, ich hatte eine gute Defensive.» Nach vier Saisons klopft der FC Luzern aus der Nationalliga A an. «Das wollte ich natürlich ausprobieren.» Nach zwei Spielzeiten verdrängt er Beat Mutter, die damalige Nummer 1, aus dem Tor.

Nach fünf Jahren – und trotz gutem Vertrag – hört er auf. Der FCL-Publikumsliebling beendet seine aktive Karriere. Auch, weil er im Probetraining mit der Schweizer Nationalmannschaft vom Trainer Roy Hodgson gesagt bekommt: «Du bist Goalie Nummer 5 oder 6 im Land». Karpf: «Da wusste ich definitiv, ich komme nicht weiter. Ich mache noch eine Lehre.» Doch: Sion-Präsident Cristian Constantin kriegt seinen Rücktritt mit und bestellt ihn zu sich ins Tourbillon. «Ich habe mir das angeschaut und Constantin angehört. Aber das war nichts für mich», sagt er lachend. Karpf wird Goalietrainer beim FC Luzern und schlägt sich so durch seine Landschaftsgärtnerlehre. «Mit 800 Franken in der Lehre habe ich mich dank dem Fussball über Wasser gehalten.»

Tochter, Partnerin, Hund, Segeln, Gartenbau

Die Torwarthandschuhe tauscht er aus. Schaufel und Karrette sind nun seine Werkzeuge. Auf sein Unternehmen ist er stolz. «Ein Team, dem ich vertraue. Und es hat viele langjährige Mitarbeiter.» Der Fussball ist aus seinem Leben fast verschwunden. Selten besucht er ein Spiel des FC Sarmenstorf oder des FC Wohlen, wo er mit Kurt Braunschwiler (geschäftlich) und Adrian Meyer (aus gemeinsamen Old-Boys-Zeiten) zwei Verwaltungsratsmitglieder gut kennt.

Sein Leben hat heute andere Highlights. Beispielsweise seine 20-jährige Tochter. Karpf hat sich vor wenigen Jahren von seiner Frau getrennt und hat mittlerweile mit Bianca Kistler eine neue Partnerin an seiner Seite. Mit ihr und einem Hund wohnt er nach wie vor in Sarmenstorf. Sein Vater Joseph – einst Präsident des FC Sarmenstorf – wohnt im selben Haus. «Er ist ein sehr wichtiger Mensch für mich.» Und das nicht nur, weil er jeden Mittag für ihn etwas Feines kocht. Er gründete auch mit ihm das Gartenbau-Unternehmen und ist der ruhende Pol in seinem Leben.

Kurz beim FC Villmergen

Übrigens: Der Fussball klopfte nach seiner Karriere nochmals kurz an. Als Assistent von Rainer Stutz war er um die Jahrtausendwende beim FC Villmergen engagiert. «Der Zeitaufwand war mir aber zu gross, wenn man noch ein Geschäft zu führen hat.» Er hat ein flexibleres Hobby entdeckt: das Segeln. Seit vielen Jahren übt er dieses Hobby auf dem Wasser aus. Er ist gar ausgebildeter Segellehrer und besitzt an der kroatischen Küste ein Segelboot. Auch am Dorfleben nimmt er rege teil. Karpf ist in Sarmenstorf eine Nummer und oftmals an den Stammtischen anzutreffen. 2016 wurde er Zunftmeister der «Heuröpfelzunft» und «Pavel de Gärtner» sorgte für eine granatenstarke Fasnacht.

Pavel Karpf ist und bleibt ein Unikat. Im Gespräch sagt er immer wieder, dass er «eigentlich nicht so gut gewesen ist, wie alle behaupteten.» Doch das stimmt nicht. Ein charismatischer Torhüter ist er gewesen. Einer, der Sicherheit ausstrahlte. Und unglaubliche Dinger hielt.

Wie einst in einem entscheidenden Spiel seines FC Luzern gegen den FC Zürich. «Wir brauchten einen Punkt, um es in die Finalrunde zu schaffen.» Kurz vor Abpfiff: Es steht unentschieden und der FCZ donnert ein Geschoss auf den Kasten von Pavel Karpf. Der Mann mit den riesigen Pranken fischt die Kugel aus der Ecke und ist der gefeierte Held. «Ach, das war nur Glück. Ich hatte eine starke Defensive.»

Der Freiämter – Stefan Sprenger

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