Nichts machen geht nicht mehr

Er ist gelernter Landwirt, in einem Teilzeitpensum selbstständig im Bereich Maschinenbau. Und er hat vor wenigen Monaten die Dringlichkeit für humanitäre Hilfe entdeckt. Von Basel nach Chiasso gewandert wäre er sowieso, nun versucht er damit Geld für die Organisation «22nd Wild Life» zu sammeln.

Gesucht hat Marco Ruf das nicht. Er habe sich vorher nicht gross engagiert, erst recht nicht im humanitären Bereich, sagt er. «Es war ganz einfach der Algorithmus.» Eine Werbung, die auf der Plattform Instagram auftauchte und ihn von Beginn weg faszinierte von der Organisation «22nd Wild Life». Er nahm Kontakt auf, seit einem Monat ist er Mitglied der Organisation, die offiziell im Non-Profit-Bereich anerkannt ist. Ruf spricht von einem engen Kreis von rund zehn Leuten. «22nd Wild Life» ist eine kleine Organisation, die Grosses bewirken will. Sie sammelt nicht nur Geld, sondern leistet vor Ort Einsätze, etwa im Kampf gegen die Wilderei in Südafrika. Oder bei der Hilfe nach dem schrecklichen Hochwasser in Deutschland.

An zwei Wochenenden war der 24-jährige Aristauer selber in Ahrweiler. «Ganz schwierig zu ertragen», sagt er rückblickend. Als gelernter Landwirt und selbstständiger Maschinenbauer war er vor allem auf grossen Maschinen, etwa Baggern, unterwegs. Aber er half auch, Keller auszuschaufeln und nach Vermissten zu suchen. «Zu retten gab es leider nichts mehr», sagt er. Die Menschen, die sie fanden, waren tot. «Die Bilder, die wir in der Schweiz sehen, sind nur ein kleiner Teil der unglaublichen Zerstörung.»

Marco Ruf absolvierte den Militärdienst als Grenadier in Isone. «Dort habe ich gelernt, auszuhalten», sagt er. Zwar keine solch schrecklichen Bilder, aber anderes – Hitze, Kälte, Schmerzen. «Mental bin ich für sehr vieles bereit», sagt der junge Mann, der in seiner Freizeit Fussball beim FC Muri spielt. Und diese Bereitschaft will er künftig noch mehr für «22nd Wild Life» einsetzen. Auch dafür plant er nun einen Spendenlauf. Am Mittwoch wandert er los in Basel. Sein Ziel ist Chiasso und dieses will er in zehn Tagen erreichen.


Von Nord nach Süd in zehn Tagen

Am Mittwoch wandert der Aristauer Marco Ruf in Basel los – sein Ziel ist Chiasso

Für die Tiere. Für die Umwelt. Für die Menschen. Für unseren Planeten. Dafür wandert Marco Ruf. Ganze 320 Kilometer und 10 000 Höhenmeter hat der junge Aristauer vor sich. Dabei sammelt er Spenden für eine Non-Proflt-Organisation, die sich punktuell für eine bessere Welt einsetzt oder nach Katastrophen hilft.

Annemarie Keusch

Es sieht nicht danach aus, dass Marco Ruf im Regen wandern müsste. Aber es könnte laut Wetterprognosen heiss werden. Sehr heiss, um stundenlang zu wandern, oft an der prallen Sonne und immer wieder Hügel oder Pässe überquerend. «Das macht mir nichts», sagt Marco Ruf. Es sind keine Durchhalteparolen und es ist kein naiver Optimismus. «Ich bin mental bereit, an meine Grenzen und darüber hinaus zu gehen», sagt der 24-Jährige. Er weiss, was auf ihn zukommt, auch wenn er noch nie so weit und so viele Tage aneinander gewandert ist. Er wisse, wie er reagieren müsse, wenn es ihm schlecht geht, ob mental oder körperlich. Seine Erfahrungen hat er in der Rekrutenschule gesammelt.

Ruf hat diese in Isone als Grenadier absolviert. An die Grenzen und darüber hinaus ging er mehrmals. Und er wuchs daran. «Je weiter die Märsche gingen, umso mehr Freude hatte ich daran», sagt er. In der Rekrutenschule entdeckte er quasi seine Liebe zum Wandern. Und diese wollte er mit der Gotthard-Route von Basel nach Chiasso ausleben.

Wanderung schon länger geplant

Geplant, vom Norden der Schweiz in die südlichste Gemeinde zu wandern, hat Marco Ruf schon länger. «Ich wollte Abstand gewinnen, entschleunigen», sagt der Aristauer. Der gelernte Landwirt arbeitet viel, ist Teilzeit als Maschinenbauer angestellt und hat nebenbei seine eigene Firma im gleichen Bereich. «Ich mache es gerne, sonst hätte ich mein Hobby nicht zum Beruf gemacht», sagt Marco Ruf. Er entwickelt Maschinen, macht Sonderanfertigungen. «Gelernt habe ich das nicht, ich probiere einfach. Und meistens klappt es irgendwann», sagt er und lacht.

Trotzdem wollte er einmal Abstand gewinnen, an anderes denken. Von Basel nach Chiasso zu wandern, schien ihm eine gute Möglichkeit dafür. Die Route wählte er, weil ihn der Gotthard fasziniert und weil der Weg via Isone führt. «Ein emotionaler Ort für mich», sagt er, der seine Rekrutenschule dort absolvierte.

Zwei Wochenenden im Einsatz in Ahrweiler

Nur für sich zieht der Aristauer das Projekt längst nicht mehr durch. Seit er zufällig in den sozialen Medien auf die Non-Profit-Organisation «22nd Wild Life» gestossen ist, engagiert er sich dort immer mehr. Ruf spricht von einem familiären Zusammenhalt innerhalb der Organisation. Er schwärmt von den Projekten, etwa in Südafrika, wo die Trophäenjagd und die Wilderei bekämpft werden. Oder er erzählt von seinem bisher einzigen Einsatz, im deutschen Ahrweiler. Zwei Wochenenden half er nach der Flutkatastrophe aufzuräumen, Vermisste zu suchen. Auch im Kampf gegen Waldbrände will sich «22nd Wild Life» engagieren. «Punktuelle Projekte», sagt Marco Ruf. Das Konzept der Organisation: Sie schickt Vertreter vorbei, die mitanpacken. «Das ist am effektivsten», findet Marco Ruf.

Aber eine Tätigkeit, die kostet. Die Ausrüstung, die Reisen. Entsprechend lag es für ihn auf der Hand, dass aus der «einfachen» Wanderung von Basel nach Chiasso ein Spendenlauf wird. Im privaten Umfeld suchte Ruf Sponsoren, solche, die pauschal etwas spenden, oder solche, die pro zurückgelegten Kilometer einen Beitrag leisten. Das Ziel lag bei tausend Franken. «Das habe ich schon längst erreicht», sagt er. Die Aktion ziehe weite Kreise, gerade in den sozialen Medien. Entsprechend steigt seine Anspannung.

Schlafsack und kleines Zelt bei sich

Am Mittwoch wandert Marco Ruf los. Via Olten, Luzern, Vierwaldstättersee, über den Gotthard nach Airolo und via Bellinzona und Isone nach Lugano. Das ist der Plan. Und der junge Aristauer hat ihn ausgetüftelt. «Den Vierwaldstättersee auf dem Schiff zu überqueren, das ist mir ein Dorn im Auge», sagt er. Mit Hilfe von vier Freunden, die Ruf im Militär kennenlernte und die dafür trainieren, rudernd von Spanien bis nach Südamerika zu gelangen, fand er eine Lösung. Er kann mit ihnen über den Vierwaldstättersee rudern. Zwölf Tage hat Ruf für sein Projekt Zeit, schaffen will er es in zehn Tagen.

Übernachten wird er draussen. Einen Schlafsack und ein Ein-Mann-Zelt hat er dafür bei sich. «Biwakiert habe ich im Militär genug», sagt er und lacht. Die ganze Verpflegung schleppt er grösstenteils mit. «Ausser Wasser und Früchte. Ich kann nicht hundert Liter Wasser mittragen und die Früchte würden verderben», erklärt er. Auf dem Weg hofft Ruf, viele Kontakte knüpfen zu können, «22nd Wild Life» bekannter zu machen, weiteres Geld zu sammeln.

Auf die Rigi gings ganz gut

Dass er es schafft, davon ist der 24-Jährige überzeugt. «Ich werde Muskelkater und folglich Schmerzen haben. Das kann mir aber nichts anhaben.» Er wisse, wie er damit umzugehen habe, kenne seinen Körper. Und geübt hat Ruf auch. Vor gut zwei Wochen wanderte er von Aristau auf die Rigi. «Das ging ganz gut», sagt er. Wie viel Geld das Projekt der Organisation einbringt, will er nicht abschätzen. «Ich hoffe, möglichst viel», sagt er. Denn er wisse, dass jeder einzelne Franken dort ankomme, wo er dringend notwendig sei, ob in Deutschland oder in Südafrika.

Mehr Informationen unter: www.22ndwildlife.org oder direkt bei Marco Ruf, Tel. 079 910 10 92.

 

Annemarie Keusch – Der Freiämter

Erfolgsgeschichte, Verein

Berichte

«Ich will überall Spass haben»

Was war Ihr Highlight der Vorrunde? Piu: Der 4:2-Sieg gegen den FC Lachen/Altendorf auswärts. Das war an Spannung kaum zu überbieten und einfach ein geiles und brutales Spiel. Ein Hin…
weiterlesen

Covid Schutzkonzept

Schutzkonzept für den Trainings und Wettkampfbetrieb im Breitenfussball ab 13. September 2021 und das Schutzkonzept für die Halle.
weiterlesen
Menü