Mehr als ein Goalie

Goalie, Leiter Sport, Vizecaptain, Leitwolf, Ex-Super-League-Spieler, grosser Bruder, Berater. Die Anzahl Rollen, die Yanick Hofer beim FC Muri einnimmt, ist schier endlos. Der 23-Jährige ist für die Klosterdörfler unverzichtbar. Hofer hat allerdings Hunger nach noch mehr.

«Zu viele.» Die Antwort von Muri-Goalie Yanick Hofer auf die Frage, wie viele Gegentore er in der bisherigen Saison kassiert hat. In Zahlen übersetzt bedeutet «zu viele» neun in fünf Spielen. Bei der Frage nach den Gründen stellt sich der 23-Jährige schützend vor sein Team und nimmt sich selbst in die Verantwortung. «Wir konnten kein Spiel in der gleichen Abwehrformation spielen. Zuletzt musste Innenverteidiger Daniele Garofalo im Sturm aushelfen. Laze Stojkovski muss auf dem Flügel ran. Die Abwehr ist noch nicht eingespielt», sagt der Torwart. «Wir sind noch nicht alle in Topform. Damit meine ich auch mich.»

Selbstkritisch und die Mannschaft aufbauend. Hofer beweist Führungsqualitäten. Es erstaunt nicht, das der 1,93 m grosse Hüne Vizecaptain des FC Muri ist. Da Captain Michael Hohl gesperrt ist, wird der Goalie die Murianer morgen Samstag, 17 Uhr, im Auswärtsspiel gegen Zofingen mit der Binde um den Arm auf das Feld führen.

Kein Duell gegen Sand-Star

Vor dem Duell gegen Zofingen gibt sich der Keeper kämpferisch. Die Thutstädter liegen in der Tabelle einen Punkt und einen Rang vor den Klosterdörflern. «Sie haben viele neue Spieler. Die Qualität ist hoch, aber auch sie sind noch nicht eingespielt. Es wird ein Duell auf Augenhöhe.» Einer der neuen Spieler im Dress der Zofinger ist Noel Ott, der normalerweise für die Schweizer Beachsoccer-Nationalmannschaft auf Torejagd geht und sich auf Sand einen Namen gemacht hat. Aktuell ist er mit drei Treffern auch Topskorer der Zofinger, Allerdings hat sich der Star der Beach soccer-Nati einen Bänderriss zugezogen und fällt für vier bis sechs Monate aus. «Schade, ich hätte gern gegen ihn gespielt und gesehen, wie er sich auf dem Rasen bewegt», sagt der Muri-Goalie. «Aber Zofingen wird auch ohne ihn offensiv genug stark sein.»

Auf der Gegenseite kämpft Muri immer noch mit dem Stürmermangel im Kader und mit Verletzungsproblemen. «Unser Trainer Piu ist allerdings extrem kreativ und löst die Probleme in der Aufstellung jedes Mal. Ich bewundere das sehr. Die Offensive läuft ja trotz Mangel an Spielern sehr gut. Es ist die Defensive, wo es hapert.»

Einmal Super League und zurück

Dabei kehrt Hofer seinen eigenen Anteil an der Vielseitigkeit des Murikaders unter den Tisch. Als Leiter Sport ist er mitzuständig für die Transfers. Der Goalie, der im Team Aargau ausgebildet wurde, beim FC Wohlen in der Challenge League und dem FC Sion in der Super League unter Vertrag stand und in diversen Junioren-Nationalteams zum Einsatz kam, ist bestens vernetzt, kennt zahlreiche Spieler und Trainer.

Neuzugang Bruno Justino war beispielsweise ein Wunschspieler von Trainer Piu, Aus seiner Zeit beim FC Wohlen und dem Team Aargau war er Hofer bestens bekannt. Ebenso Mittelfeldspieler Joao Miguel Ferreira, der mit fünf Toren und zahlreichen Assists bisher der Königstransfer der Murianer ist. «Ich habe mehrmals mit ihm in der U23 des FC Wohlen gespielt. Es ist mir ein Rätsel, wieso er nie eine Chance in der Challenge League bekommen hat», sagt der Leiter Sport. «Uns soll es recht sein, wenn Spieler wie Bruno und Miguel andernorts unter dem Radar laufen und dann bei uns in Muri landen», sagt der Torwart und gibt sich erneut bescheiden. Er kam schliesslich vom FC Sion zu Muri.

Der zweiten Mannschaft einen Torhüter gebracht

«Mein Bruder ist der talentiertere Schlussmann als ich. Hätte er von Anfang an auf Fussball gesetzt, wäre er viel weiter gekommen. Bei Sion habe ich schliesslich nie gespielt», sagt Hofer.

Sein Bruder ist der 21-jährige Nicolas Hofer, der im Tor vom FC Muri II steht. Bis 2019 war er Leichtathlet und wechselte danach zum Fussball. «Er hat einmal für rund zwei Monate beim FC Würenlingen im Tor ausgeholfen. In dieser Zeit trafen sie per Zufall auf Muri II in der Meisterschaft. Dort sah ihn mein Vorgänger Jimmy Sagri», erzählt Yanick Hofer. «Als Muri II einen weiteren Torwart benötigt hat, kam Jimmy auf mich zu und sprach mich auf meinen Bruder an.»

Dass Nicolas Hofer als Spätstarter dennoch ein Keeper wurde, der auch mit dem Fanionteam der Murianer trainieren und spielen kann, ist dem grossen Bruder zu verdanken. «Durch mich wollte er auch am ehesten Torhüter werden und wegen mir hat er auch in der Freizeit neben der Leichtathletik viel Fussball gespielt. Ich bleibe dabei, wenn er von Anfang an auf diese Karte gesetzt hätte, wäre er viel weiter als ich.»

Dem Club etwas zurückgeben

Yanick Hofer leistet viel für den FC Muri. Auf und neben dem Platz. «Ich habe den Aufwand im Vorstand zwar ein wenig unterschätzt, aber ich will dem Verein etwas zurückgeben.» Auf dem Feld hat er dazu morgen Samstag in Zofingen die Gelegenheit. «Trotz der zwei unnötigen Niederlagen gegen Grenchen und Rotkreuz stehen wir nicht schlecht da mit drei Siegen», so Hofer. Die Murianer haben zuerst das Spitzenspiel gegen Zofingen. Danach gastiert Leader Lachen /A ltendorf im Klosterdorf. «Wenn wir die zwei Teams bezwingen, sind wir vorne dabei. Ich bin zuversichtlich. Denn noch haben wir in keinem Spiel wirklich 70 bis 80 Minuten das abgerufen, was wir können.»

Wenn sich die Murianer auf dem Feld alle so für den Club einsetzen wie Yanick Hofer auf und neben dem Platz, dann kann das Team gegen Zofingen und Lachen/Altendorf definitiv bestehen.

Der Freiämter – Josip Lasic

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