«Hätte nicht jeden Job genommen»

Meisterschaft

Vorschau: FC Muri - FC Adliswil

Der neue FC-Muri-Trainer Piu im Gespräch vor dem Saisonstart gegen Adliswil (Sa, 18 Uhr, Brühl) Die Meisterschaft in der 2. Liga interregional beginnt für Muri mit dem Heimspiel gegen Adliswil. Es wird das erste Pflichtspiel unter dem neuen Trainer Piu sein. Was erwartet er von der neuen Saison?

Josip Lasic: Wie geht es Ihnen vor dem ersten Pflichtspiel mit dem neuen Verein?

Piu: Um ehrlich zu sein, bin ich ein bisschen traurig.

Warum?

Wir werden gegen Adliswil mit einem sehr dünnen Kader antreten müssen. Mir stehen nur 13 Feldspieler und zwei Goalies zur Verfügung. Ajdin Bajric, David Tschupp, Joel Trüb, Jan Burkard und Reto Brügger sind alle verletzt. Daniele Garofalo und Michael Stadelmann müssen noch Sperren von der vergangenen Saison absitzen. Stephen Peacock ist in Corona-Quarantäne und ohnehin noch nicht in Form. Immerhin ist unser Captain Michael Hohl wieder fit. Er ist sehr wichtig für uns.

Es sind rund eineinhalb Jahre vergangen, seit Sie beim FC Wohlen gehen mussten. Hat Ihnen die Trainertätigkeit nicht gefehlt?

Doch. Aber ich hätte nicht jeden Job angenommen. Nach dem Aus in Wohlen war ich mehrere Wochen lang am Boden zerstört. Ich habe richtig gelitten. In dieser Zeit wäre kein neuer Verein für mich infrage gekommen. Danach gab es mit einigen Clubs Gespräche, aber es hat nicht gepasst. Entweder war die Distanz zu gross oder die Vereine hatten keine besonderen Ambitionen. Die Aufgaben haben mich nicht gereizt. Da verbringe ich lieber Zeit mit meiner Familie oder arbeite in meinem Schrebergarten, als irgendwo als Trainer zu arbeiten, wo ich mich nicht wohlfühle.

In Muri fühlen Sie sich offenbar wohl.

Ja, sehr. Jimmy Sagri (Mitglied der Sportkommission des FC Muri, (Anm. d. Red.) hat mich kontaktiert. Nach einem Gespräch mit ihm und Sportchef Antonio De Luca habe ich schnell gesehen, dass die Chemie stimmt.

Was sind die Ziele des FC Muri?

In dieser Saison wollen wir sicher oben mitspielen. Unter den ersten drei, vier Teams landen. Druck, aufsteigen zu müssen, haben wir in diesem Jahr nicht. In den nächsten Jahren möchte der Verein aber schon eine Rückkehr in die 1. Liga. Wenn es in dieser Saison gelingt, umso besser (lacht).

Wie beurteilen Sie allgemein die Qualität des Kaders?

Die ist sehr gut. Nur auf der Mittelstürmerposition haben wir noch Luft nach oben. Sandro Ravelli ist ein Arbeitstier, das sich den Allerwertesten für das Team aufreisst. Deshalb ist er nicht immer im Strafraum zu finden. Er ist kein klassischer Neuner. Nedim Brzina weiss, wo das Tor steht, ist aber noch sehr jung. In gewissen Situationen kann er noch nicht das Maximum seines Potenzials abrufen. Bleibt noch Stephen Peacock. 27 Jahre alt. Stürmer aus England. Grossartige Voraussetzungen. Er hat aber in den letzten Jahren aus beruflichen Gründen nur noch sporadisch Fussball gespielt. Er wird Zeit brauchen, um wieder in Form zu kommen.

Was Neuzugänge betrifft, hatte der FC Muri zuletzt eher Pech. Von elf Neuzugängen der letzten Saison sind neun schon wieder weg. Wie beurteilen Sie das?

Man sieht den Spielern nicht in den Kopf. Niemand kann vorhersehen, welche Entscheidungen sie treffen. Ich bin froh, dass der FC Muri jetzt bei den Neuzugängen stark auf Spieler aus der Region gesetzt hat. Joao Miguel Ferreira hat bis zu den C-Junioren bei Muri gespielt. Daniele Garofalo habe ich bereits als kleinen Jungen bei Wohlen und später bei Mutschellen trainiert. Bruno Justino Soares ist Wohler. Ich bin sogar sein Firmgötti. Das klingt für mich nicht nach Spielern, die nach einem Jahr wieder weg sind.

Wie wichtig ist es für Sie, dass Muri einen harten Kern an erfahrenen Spielern wie Sandro Streuli, Michael Hohl, Simone Parente oder Yanick Hofer hat?

Ein Kern allein, der viele Jahre zusammen ist, ist noch keine Garantie. Manchmal können solche Spieler schon satt sein. Die Qualität des Kerns, der mir zur Verfügung steht, freut mich. Nehmen wir als Beispiel Michael Stadelmann und Sandro Streuli. Stadelmann ist 32 Jahre alt. Streuli wird 34. Aber diese Spieler geben immer Vollgas. Und in diesem Kern in Muri habe ich nur solche Leute. Das ist wichtig.

Sie sind als Trainer ein klassischer Brasilianer. Ihre Teams sollen spielen, den Ball laufen lassen. Geht das in Muri?

Sehen Sie sich unser Team an. Joel Trüb, Loris Völker, Joao Miguel Ferreira, nur um einige Beispiele zu nennen. Wir haben so viele Techniker im Team. Da muss man so spielen. Und die Jungs versuchen meine Vorgaben so gut wie möglich umzusetzen. Bezüglich der Spielphilosophie sind wir auf einem sehr guten Weg.

Wie beurteilen Sie die Infrastruktur und das Umfeld in Muri?

Einfach grossartig. Für einen Verein in der 2. Liga interregional ist alles sehr professionell. Die Fussballplätze sind einwandfrei und der Staff harmoniert untereinander und mit dem Team sehr gut. Bezüglich des Co-Trainers haben wir Zeit gebraucht, bis wir jemanden gefunden haben. Das Warten hat sich allerdings gelohnt. Peter Lang und ich haben ein ähnliches Denken in Bezug auf den Fussball. Schade, dass ich ihn nicht von Beginn der Vorbereitung an meiner Seite hatte (lacht).

Mit Michael Stadelmann und Yanick Hofer sind der Vereinspräsident und der Leiter Sport Teil Ihres Kaders. Eine ungewöhnliche Situation?

Nein. Sie haben deswegen keine Allüren gegenüber dem Team und wollen keine Sonderbehandlung. Es zeigt dafür, wie viel den beiden am Verein liegt. Das ist sehr sympathisch.

Holen Sie morgen Samstag gegen Adliswil die ersten drei Punkte?

Wir wollen es und sind vermutlich der Favorit. Zumal es ein Heimspiel für uns ist. Es muss aber gespielt werden, bevor wir über Punkte sprechen können.

 

Der Freiämter – Josip Lasic

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