Freiämter Abwehrbollwerk

Nach dem Abstieg 2018 kehren die Frauen des FC Aarau in die Nationalliga A zurück. Am Aufstieg massgeblich beteiligt waren zwei Freiämterinnen. Die Murianerin Michelle Stierli und die Waldhäuserin Rebecca Storr.

17 Spiele, elf Gegentore. Bestwert in der Nationalliga B. Die Frauen des FC Aarau können nicht zuletzt dank einer starken Defensive die Rückkehr in die NLA feiern.

Dass die Abwehr stabil bleibt, dafür sorgen beim Team aus der Kantonshauptstadt unter anderem zwei Spielerinnen aus dem Freiamt. Michelle Stierli, 23 Jahre alt, aus Muri, spielt auf der Position der rechten Innenverteidigerin. Sie wurde wie ihre Cousine und Nationalspielerin Julia Stierli beim FC Muri ausgebildet. Rechts neben Michelle Stierli, auf der Position der rechten Aussenverteidigerin, ist die 19-jährige Rebecca Storr aus Waldhäusern unterwegs. Sie hat ihr kleines Fussball-Einmaleins beim FC Wohlen, besser gesagt bei der Fussballschule Waltenschwil erlernt. Das Duo spricht über seine Ziele in der NLA. Zuvorderst steht der Klassenerhalt. –jl


Doppelte Freiämter Frauenpower

Fussball, Nationalliga B, Frauen: Michelle Stierli und Rebecca Storr steigen mit dem FC Aarau auf

Der Anteil an Freiämter NLA-Fussballerinnen wird zur kommenden Saison verdoppelt. Nach dem Aufstieg der FC-Aarau-Frauen werden neben den Murianerinnen Julia Stierli (FC Zürich) und Alayah Pilgrim (FC Basel) künftig auch Michelle Stierli aus Muri und Rebecca Storr aus Waldhäusern im Oberhaus spielen.

Josip Lasic

Samstagmorgen beim Fussballplatz Schachen in Aarau. Mehrere Junioren-Teams des FC Aarau bestreiten ihre Spiele. Unter den Zuschauern befinden sich zwei sympathische junge Frauen. Michele Stierli aus Muri und Rebecca Storr aus Waldäusern haben beide ein Lächeln auf dem Gesicht. Kein Wunder. Drei Tage zuvor haben die beiden Freiämterinnen mit den FC-Aarau-Frauen den Aufstieg in die Nationalliga A klargemacht. Der 5:0-Sieg gegen Derendingen brachte die Entscheidung.

Am Aufstieg hat das Duo grossen Anteil. Die Aarau-Defensive ist ein Bollwerk. Unter anderem wegen der beiden Abwehrspielerinnen. Wenige Stunden nach dem Treffen beim Schachen stellen sie ihre Defensivqualitäten erneut unter Beweis. In Luzern holt der FCA ein 0:0-Unentschieden. In 17Spielen hat das Team nur elf Gegentreffer hinnehmen müssen.

Comeback für Stierli, Premiere für Storr

Die «Red Boots Aarau» – mit diesem Namen wollen sich die FC-Aarau-Frauen als eigenständige Marke etablieren – kehren damit nach dem Abstieg 2018 in die höchste Schweizer Liga zurück.

«Das Gefühl, was wir gemeinsam als Mannschaft erreicht haben, ist unbeschreiblich», sagt Michelle Stierli. Sie war schon beim Abstieg 2018 Teil des Aarau-Kaders. Die Cousine der Nationalspielerin Julia Stierli kam 2013 aus dem Nachwuchs des FC Muri nach Aarau und ist, obwohl erst 23 Jahre alt, schon ein «FCA-Urgestein». Im letzten Sommer musste sie sich einer Hüft-OP unterziehen und fiel bis Januar aus. Obwohl die Medizinstudentin aktuell in den Covid-Testzentren in Muri und Aarau und daneben für die Spitex arbeitet, hat sie seit ihrer Rückkehr aber keine Minute auf dem Feld verpasst.

Für Rebecca Storr wird die nächste Saison hingegen die Premiere in der NLA. Die 19-Jährige, die in der Fussballschule Waltenschwil ausgebildet wurde, stiess erst nach dem Abstieg 2018 von den FCA-Juniorinnen zum Fanionteam. Die Sportkanti-Schülerin ist aber genauso wie ihre Freiämter Kollegin kaum aus dem Team wegzudenken. Gegen Luzern wird sie nach 82 Minuten ausgewechselt. Es ist erst die dritte Partie in der Saison, in der sie nicht durchspielt. Auf seine Ziele für die nächste Spielzeit angesprochen, antwortet das Abwehrduo so, wie man es von einem Aufstiegsteam erwarten kann. Sie wollen nicht direkt wieder absteigen.

Meeresbiologie statt Fussball

Stierli und Storr sind ambitioniert. Ihre Ziele beschränken sich aber nicht nur auf den Fussball. Rebecca Storr will nach dem Abschluss der Sport-Kanti Meeresbiologie studieren. Ein Studienfach, das es so in der Schweiz nicht gibt. «Die Unterwasserwelt fasziniert mich von klein auf. Ich habe mir zunächst überlegt, nur Biologie zu studieren. Aber die Faszination für das Meer ist zu gross.»

Für das Studium wird die Fussballerin voraussichtlich in die USA oder nach England gehen. In beiden Fällen würde sie in Länder ziehen, in denen Frauenfussball einen höheren Stellenwert hat als in der Schweiz. «Wenn es sich ergibt, spiele ich dort weiter. In der nächsten Saison fokussiere ich mich aber auf Aarau.»

Nicht im «Schatten der Cousine»

Ähnlich sieht es bei Michelle Stierli aus. Bis zur U19-Nationalmannschaft ist sie auf einem ähnlichen Level wie ihre Cousine Julia unterwegs. Mittlerweile ist sie etwas in den Schatten der FCZ-Abwehrspielerin gerückt. Julia Stierli hat sich vor Kurzem mit dem A-Nationalteam für die EM-Endrunde qualifiziert. Sie durfte mehrere Schweizer Meisterschaften und Cupsiege feiern und hat Champions-League-Erfahrung.

«Ich habe es nie so gesehen, als wäre ich im Schatten von Julia. Und wenn, dann zu Recht. Sie ist die Erfolgreichere von uns», erklärt die Murianerin. Auch Michelle Stierli hatte einige Angebote von grösseren Schweizer Vereinen. «Ich habe mich aber für einen anderen Weg entschlossen und bereue ihn bis jetzt nicht. Im Gegenteil. Ich freue mich darauf, in der nächsten Saison wieder gegen Julia zu spielen.»

Solange Storr und Stierli beim FCA sind, wollen sie mit dem Verein Vollgas geben. «Natürlich ist der Klassenerhalt das erste Ziel. Wir wollen aber auch nachhaltig arbeiten, unsere Teamphilosophie weiterentwickeln, immer besser werden. Wir werden sehen, wie weit wir damit kommen», so Stierli.

Von Mitspielerinnen zu Kolleginnen

Michelle Stierli spielt meistens auf der Position der rechten Innen-, Rebecca Storr der rechten Aussenverteidigerin. Die beiden Freiämterinnen scheinen sich ideal zu ergänzen. «Rebeccas grösste Stärke liegt im Zweikampf. Spielerisch und technisch ist sie aber ebenfalls sehr gut», sagt Stierli. Ihre Teamkollegin erwidert: «Ich bewundere Michelles Ruhe am Ball. Sie gibt mir Sicherheit. Wenn ich eine Gegnerin nicht stoppe, weiss ich, dass Michelle hinter mir ist und ich auf sie zählen kann.»

Vor der Zeit beim FC Aarau kannten sich die beiden Abwehrspielerinnen nicht. Mittlerweile sind sie nicht nur auf dem Platz Kolleginnen. «Ab und zu unternehmen wir etwas gemeinsam mit Teamkolleginnen. Und wenn es darum geht, irgendwohin zu fahren, sind wir auch meist zusammen unterwegs», sagt Stierli. «Wir verstehen uns auch unabhängig vom Fussball sehr gut», ergänzt Storr.

Kleine Aufstiegsfeier geplant

Das nächste Mal, wenn die beiden neben dem Platz etwas unternehmen, wird am kommenden Samstag sein. Nach dem letzten Meisterschaftsspiel gegen Schlieren – das vom Wohler Alessandro Vicedomini trainiert wird – gibt es eine kleine, coronakonforme Aufstiegsfeier.

«Wir haben von der Stadt die Bewilligung erhalten, dass wir 100Leute empfangen dürfen», erklärt Storr. «Es ist nicht leicht, während einer Pandemie etwas wirklich Festliches zu organisieren», ergänzt Stierli. «Ich denke aber, dass wir in kleinem Rahmen doch ein wenig feiern können.»

Erfolgsgeschichte, Verein

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