Die grosse Finalissima

Meisterschaft, 2. Liga Interregional

Der FC Muri hat den Aufstieg in den eigenen Füssen. Mit einem Sieg oder einem Unentschieden im Heimspiel auf der Brühl gegen den FC Dietikon sind die Klosterdörfler zurück in der 1. Liga classic. «Wir wollen das schaffen», sagt Spielerpräsident Michael Stadelmann. Für den 33-Jährigen wird es die letzte Partie sein, er wird nächste Saison zu den Senioren des FC Muri wechseln. Der Buttwiler wird Präsident bleiben. Für den Aussenverteidiger wäre diese Finalissima der richtige Zeitpunkt, um sein erstes Tor für die Freiämter zu erzielen. Denn Michael Stadelmann hat in fast 150 Spielen nicht einmal das Tor getroffen.

Torlos, aber nicht trostlos: Michael Stadelmann hat in 145 Spielen für den FC Muri nicht ein Tor gemacht. FC-Muri-Goalie Yanick Hofer erzählt sogar, dass er in den letzten sechs Jahren auch im Training nie getroffen hat. «So weit ich mich erinnern kann», meint Hofer lachend. Und trotzdem ist der Aussenverteidiger Stadelmann mit seiner aufsässigen und kämpferischen Art ein wichtiger Leistungsträger beim FC Muri.

«Das wird ein geiles Spiel»

Dies will er auch in seinem letzten Spiel sein. Und Stadelmann geht mit einem Knall. Denn die Partie am Samstag (18 Uhr) auf der Brühl ist eine Finalissima. Alles oder nichts. Gegner Dietikon hat einen Punkt weniger als die Freiämter, die auf dem 2. Rang stehen und damit auf einem Aufstiegsplatz. Heisst konkret: Der FC Muri braucht einen Sieg oder ein Unentschieden, dann ist der Aufstieg in die 1. Liga classic perfekt, und Stadelmann kann mit einer grossen Feier die Fussballbühne verlassen.

Stadelmann sagt: «Im letzten Spiel haben wir es in den eigenen Füssen, ob wir aufsteigen oder nicht. Dieses Szenario hätten wir vor der Saison alle sofort unterschrieben.» Und nun gilt es, im letzten Spiel auf dem Brühl-Rasen (danach wird der Kunstrasen eingebaut) für den Aufstieg zu sorgen. «Gegen Dietikon haben wir noch eine Rechnung aus dem Hinspiel offen, als wir 0:1 verloren haben. Das wird ein richtig geiles Spiel. Ich hoffe auf über 1000 Zuschauer», so Stadelmann.

Wieso beendet der 33-Jährige eigentlich seine Karriere? «Es ist der richtige Zeitpunkt für mich. Ich trete ab ohne Verletzung. Ich trete als Stammspieler ab, als Leistungsträger. Nach über 10 Jahren beim FC Muri und 145 Spielen fühlt es sich gut an, nach dieser starken Saison zu den Senioren zu wechseln. Am liebsten mit einem Aufstieg», meint Stadelmann, der in seiner Karriere immer wieder mit Knieverletzungen zu kämpfen hatte (er hat sich unter anderem fünf Mal das Innenband gerissen).

Für Muri wird sein Abgang ein herber Verlust sein. Trainer Piu sagt: «Auf dem Platz ist er zweikampfstark, ein Dauerläufer, wie eine Maschine. Neben dem Feld ist er ein lustiger Typ, der gerne lacht. Und er ist meist der Erste, der nach dem Spiel ein Bier in der Hand hat.» Stadelmann habe auch keinerlei Allüren, weil er Präsident des Vereins ist. «Wir werden ihn vermissen», so Trainer Piu. Und auch wenn Stadelmann in dieser Woche zwei Tage geschäftlich in London war und nur das Abschlusstraining bestritten hat, wird er (voraussichtlich) von Beginn weg ran dürfen.

Der Sohlenstopper ist schneller als Ridge Munsy

Der gebürtige Buttwiler, der heute am Zürichsee (Kilchberg) wohnt, begann seine Karriere beim FC Muri. Er ist talentiert, verbringt die spätere Juniorenzeit beim Nachwuchs der Grasshoppers und des FC Luzern. Und dort – im Nachwuchs des FCL, war er in einem Sprinttest schneller als Ridge Munsy. Jener Munsy schaffte es später zum Profifussballer (und spielt heute bei Hansa Rostock). Auf diesen Erfolg ist Stadelmann bis heute stolz. Er hat die Statistik von damals (das ist rund 15 Jahre her) immer noch auf seinem Handy abgespeichert – und zwar in den «Favoriten». Jedem Spieler, der neu zum FC Muri kommt, wird diese Statistik ungefragt gezeigt.

Stadelmann, dessen Markenzeichen es ist, den Ball mit der Sohle zu stoppen, kickte später noch für Freienbach, Zug und Brugg, weist viele Saisons 1.-Liga-Erfahrung auf. Seit 2011 spielt er wieder bei seinem Stammverein, dem FC Muri. «Die aktuelle Saison ist die geilste Saison meiner Karriere. Ein geiles Team mit tollem Zusammenhalt, einem coolen Trainer – und alle sind gute Kicker», so Stadelmann.

Nur noch ein Spiel, dann ist für ihn Schluss. «Danach bin ich hauptberuflich Präsident des FC Muri», sagt er lachend. Dieser Job macht ihm auch riesigen Spass. «Im Vorstand läuft es gut. Es könnte noch ein paar Helfer mehr geben, aber wir sind immer konstruktiv und wollen nur das Beste für den Verein», so Stadelmann. Die Zukunft des FC Muri will er mitgestalten. Der Kunstrasen, der voraussichtlich im Herbst eröffnet wird, soll dabei helfen, die Nachwuchs- und auch die Frauenabteilung zu stärken. «Wir sind ein gesunder Verein, der breit abgestützt ist. Das wollen wir auch bleiben.»

Er hofft, dass er nach dem Rücktritt auch privat etwas mehr Zeit haben wird. Stadelmann, der in der Finanzbranche tätig ist, wird bald seine Freundin Sabrina Schällmann heiraten. Kennengelernt haben sich die beiden 2008 in den Ferien in Griechenland. Im Sommer 2023 wird geheiratet. «Mit den gigantischen Hochzeitsvorbereitungen lässt sich das Engagement in der ersten Mannschaft auch nicht mehr vereinbaren», witzelt er – und meint es trotzdem ein wenig ernst.

Apropos ernst: Nun gilt es ernst für den FC Muri am Samstag gegen Dietikon. «Es braucht alle. Jeden Spieler, ob auf dem Feld oder der Bank. Alle Zuschauer, alle Murianer. Es ist ein Cupspiel, der Sieger steigt auf. Wir freuen uns riesig», sagt der Abwehrspieler. Diesem emsigen, aufgestellten und treuen Stadelmann wäre es von Herzen zu gönnen, wenn er seine Karriere mit einem Aufstieg beenden könnte. Und wer weiss, vielleicht trifft er in seinem 146. Spiel für den FC Muri auch mal das Tor.

Der Freiämter – Stefan Sprenger

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