Der Grosse verabschiedet sich

Meisterschaft, 1. Liga Classic

Münsingen vs. Muri

Goalie, Sportchef, Führungsspieler, Identifikationsfigur. Yanick Hofer ist für den FC Muri enorm wichtig. Doch seine vielen Aufgaben fordern ihren Tribut. Zur Rückrunde hört der 1,93 m grosse Keeper im Alter von nur 26 Jahren als Spieler auf.

Beim 2:1-Sieg gegen den FC Schötz Anfang Oktober hat Yanick Hofer sein 100. Pflichtspiel für den FC Muri bestritten. Ein doppelter Grund zum Feiern. Das Spiel war der erste Sieg der Klosterdörfler nach dem Aufstieg in die 1.Liga classic. Fünf Spiele später vermeldet Hofer in den sozialen Medien: «Gegen Langenthal habe ich mein letztes Heimspiel für Muri bestritten. Nach der Vorrunde werde ich als Spieler auf hören. Über 100 Spiele, in denen ich Fliegen gefangen habe, sind genug. Ich denke, dass die Mannschaft jetzt mal einen braucht, der auch mal einen Ball fängt.»

Ein gewichtiger Abgang für den FC Muri. Aber irgendwie nachvollziehbar. Der 1,93m grosse Keeper arbeitet als Gemeindeschreiber-Stellvertreter und Leiter Einwohnerdienste bei der Gemeindeverwaltung Freienwil. Seit zwei Jahren ist er als Sportchef auch Vorstandsmitglied beim FC Muri. «Ich tanze definitiv auf zu vielen Hochzeiten», sagt der 26-Jährige. «Und die Funktion als Spieler ist die, von der ich mich am ehesten trennen kann.» Zuletzt habe ihm der Fussball auch nicht mehr so Spass gemacht. Spätestens seit Sommer, wo zahlreiche seiner Kollegen den FC Muri verlassen haben. Wie Clubpräsident Michael Stadelmann, der als Spieler zurückgetreten ist, oder Michael Hohl, der zum FC Sins gewechselt ist. «Das ist sicher nicht der ausschlaggebende Grund, ist aber ein weiterer Faktor», erklärt Hofer. «Aber nur schon die Vorbereitung war nicht mehr das Gleiche wie früher. Während andere Teammitglieder zuerst mal Ferien machen konnten, bevor es in Richtung Vorbereitung ging, hatte ich mit Spielergesprächen und -verhandlungen zu tun. Es ist besser so, wenn ich mich auf die Aufgabe im Vorstand fokussiere.»

Neuer Torwart wird benötigt

Der FC Muri verliert damit zu einem unglücklichen Zeitpunkt eine Identifikations- und Führungsfigur auf dem Feld. Die Klosterdörfler stecken mitten im Abstiegskampf. «Die Mannschaft hat es gut aufgefasst, als ich ihnen meine Entscheidung kommuniziert habe», sagt Hofer. «Sportlich sehe ich mich nicht als Riesenverlust an. Da gibt es wichtigere Spieler im Team.»

Dennoch muss er jetzt in seiner Tätigkeit als Sportchef aktiv werden. Muri benötigt einen neuen Goalie. Hofers Ersatzmann Michael Wehrli hat ihn schon mehrmals in den laufenden Saisons vertreten. Dahinter wird es kritisch. Die etatmässige Nummer drei ist Dejan Grmaca. Der Kroate ist beruflich aber stark eingespannt und wird nicht immer zur Verfügung stehen. Marco Ruf, Stammgoalie der 2. Mannschaft, steht auch nicht zur Verfügung. «Er ist Captain im ‹Zwoi›. Dort war die Situation bisher schwierig. Es entsteht aber im Team langsam ein harter Kern, zu dem auch Marco gehört. Da will ich ihn ungern rausreissen.» In der vergangenen Saison wurde Hofer häufig auch durch seinen Bruder Nicolas vertreten, der mittlerweile beim SC Schöftland im Kader steht. Auch seine Rückkehr ist keine Option. «Beruflich schafft er es kaum, genug Zeit für die 2. Liga inter aufzubringen, geschweige denn für die 1. Liga. Er wird voraussichtlich in eine tiefere Liga wechseln oder eine Fussballpause einlegen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir einen Goalie finden, der Erstliga-Niveau mitbringt und vielleicht sogar besser ist als ich.»

Ende einer vielversprechenden Karriere

Da auch Basil Gmür aufhört, muss sich Muri auch in der Offensive verstärken. «Ansonsten haben wir das Budget ausgeschöpft. Es kann aber sein, dass uns der eine oder andere Spieler im Winter noch verlässt. Dann werden wir sicher tätig werden. «Meine Arbeit im Vorstand geht natürlich weiter», sagt Hofer.

Seine Karriere als Fussballer geht hingegen zu Ende. Eine vielversprechende Karriere, in der sich der Murianer, der heute in Fahrwangen lebt, über das Team Aargau bis zur U20-Nationalmannschaft und in den Profifussball zum FC Wohlen und FC Sion gekämpft hat, bevor er zu seinem FC Muri zurückgekehrt ist. Noch stehen aber zwei Spiele in der Vorrunde an. Und in denen ist Yanick Hofer mit dabei. So auch übermorgen Sonntag, 14.30 Uhr, in Münsingen. «Ich werde in diesen zwei Spielen nochmals alles geben», sagt der Goalie, der bald «nur» noch Sportchef ist.

Der Freiämter – Josip Lasic

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